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Schweizer Mütter im Ausland - mein Leben in Japan
17. August 2011
Interview: Claudia Müller, Fotos: ZVg
Cynthia Iwanaga, 40, lebt seit 14 Jahren in Japan. Von Zürich siedelte sie nach Kagoshima (liegt auf der südlichen Hauptinsel Kyushu) über, wo die Zeit stehen geblieben scheint.
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Die Familie Iwanaga; v.l.n.r. Hitomi (8), Kenta (13), Yuzo (40), Ayumi (2), Cynthia (40), Chiemi (6).
Schweizer Familie: Warum sind Sie ausgewandert?
Cindy Iwanaga:Wir hatten gar nie vor auszuwandern, sondern wollten nach unserer Hochzeit auf Weltreise. Als erstes Land wählten wir Japan. Kaum angekommen erfuhren wir, dass ich schwanger bin. Das war zuerst ein Schock, hatten wir doch andere Pläne. Erst Reise, dann Kinder. Daher blieben wir hier und dann studierte mein Mann Akkupunktur und alles nahm seinen Lauf. Es ist also noch offen, wo wir enden werden.....
Wie viele Kinder haben Sie, und in welchem Alter sind die Kinder?
Ich habe vier Kinder, im Alter von 13, 8, 6 und 2 Jahren.
Sind Sie erwerbstätig?
Nein.
Schwangerschaft
Erhielten Sie während Ihrer Schwangerschaft betriebliche oder staatliche Unterstützung (Mutterschaftsurlaub, Lohnfortzahlung)?
Ich war immer Hausfrau. Mein Mann hatte nie Vaterschaftsurlaub, da er selbständig erwerbend ist.
Wie verlief Ihre Schwangerschaft im Ausland?
Beim ersten Mal hatte ich grosse Angst, da ich die Sprache nicht beherrschte, aber mein Mann arbeitete in dieser Zeit nicht und konnte mich deshalb unterstützen. Manchmal war ich sogar froh, dass ich nicht alles verstand, bei dem was alles passieren kann. Natürlich erklärte mir mein Mann genau, wenn etwas nicht stimmte. Doch im Grossen und Ganzen lief alles gut.
Wie haben Sie entbunden, und wie haben Sie die ärztliche Betreuung erlebt?
Das erste Kind habe ich per Kaiserschnitt entbunden, da der Kopf des Kindes zu gross war für meinen Schambein- und Wirbelknochen-Abstand. Erst wollte man meinen Mann nicht in den Operationssaal lassen, doch wir machten Druck, bis er dabei sein konnte. Im Krankenhaus hiess es dann: einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt. Da ich wusste, dass dies nicht stimmt, sprach ich mit meinem Arzt. Er war sehr verständnisvoll und versprach mir, sich für mich einzusetzen. Dank ihm konnte ich alle drei anderen Kindern normal auf die Welt bringen. Während meiner Zeit im Krankenhaus musste ich mich stets durchsetzen. Mein zweites Kind litt unter Gelbsucht und musste 24 Stunden lang bestrahlt werden. Die Schwestern sagten, ich könne es in dieser Zeit nicht stillen. Ich arrangierte es dann so, dass ich bei jedem Windelwechsel gerufen wurde und so mein Kind trotzdem stillen konnte.
Leben mit Kind
Wird Ihr Kind fremdbetreut? Wenn ja, von wem?
Nein, aber meine Mutter kam im ersten Monat zu uns und unterstützte mich.
Wie stark helfen sich Mütter untereinander?
Wir schenken einander getragene Kleider, da es praktisch keine Kleiderbörsen gibt. Ausserdem sind auch hier Spielgruppen üblich.
Wie gut sind die öffentlichen Verkehrsmittel auf Mütter und Kinderwagen ausgerichtet?
Der Zug ist ebenerdig und die Trams neuerdings auch.
Sind Familien in Restaurants willkommen?
Sehr. Es gibt extra Lunch für Kinder, bei dem kleine Spielzeuge geschenkt werden. Ausserdem wird man nicht krumm angeschaut, wenn die Kinder etwas lauter sind oder herumrennen.
Was für Spiel- und Freizeitmöglichkeiten haben Kinder?
Viele Spielplätze, Pools, der Strand, Kindertreffs in der Gegend, wo man wohnt (von Eltern organisiert). Die Schule sorgt zudem für viele Freizeitaktivitäten: basteln, fischen, Insekten fangen oder Sterne beobachten sind nur einige Beispiele. Preisgünstigen Schulsport gibt es ab der Unterstufe.
Welche Sprache(n) lernt Ihr Kind?
Schweizerdeutsch, japanisch, und in der Schule lernen die Kinder auch noch Englisch.
Wie gut ist Ihr Kind integriert?
Obwohl die Kinder an der Schule (700 Kinder gehen dort zur Schule) die einzigen «Ausländer» sind, gehören sie voll dazu.
Wie lange ist der Weg zur nächsten Kinderkrippe oder zur Schule?
5 Minuten.
Verhältnis zur Heimat
Haben Sie noch Familienangehörige in der Schweiz? Wie oft haben Sie Kontakt zu Ihnen?
In der Schweiz leben meine Eltern und viele Freunde. Alle paar Tage telefoniere ich und schreibe Mails.
Wie oft reisen Sie in die Schweiz?
Alle zwei Jahre.
Bringen Sie Ihren Kindern die Schweizer Kultur näher? Wenn ja, auf welche Weise?
Ich koche Schweizer Gerichte, backe Kuchen und Guetsli. Wir feiern Ostern, Weihnachten und schauen DVDs aus der Schweiz oder lesen Schweizer Bücher.
Gab es schon mal eine schwierige Situation, bei der Sie sich gewünscht haben, in der Schweiz zu sein?
Seit der Sohn in der Oberstufe ist und so viel Unnötiges lernen muss wie beispielsweise die Einzelteile eines Mikroskops. Und wenn ich beispielsweise im Winter morgens 5 Grad im Haus habe, weil wir nicht das ganze Haus heizen.
Welche Schweizer Produkte, die Sie sehr schätzen, erhalten Sie im Ausland (an Ihrem Wohnort) nicht?
Gutes Brot, Käse, schöne Schuhe in meiner Grösse. In Japan ist Schuhgrösse 38 für Frauen sehr gross!
Würden Sie den Schritt ins Ausland wieder tun? Gibt es etwas, was Sie anders machen würden?
Ja und nein. Es ist sehr schwierig, in dieser so anderen Kultur zu leben, aber natürlich ist es auch eine grosse Bereicherung.
Was schätzen Sie besonders an Ihrem Leben im Ausland?
Dass die Lebensqualität gut ist, die Leute freundlich und hilfsbereit sind und die Kinder noch Kinder sein können. Es ist wie vor 30 Jahren in der Schweiz hier und nicht so fortschrittlich wie in und um Tokio herum.